Eine heißkalte Frau




Technisches
Land
 
USA
Jahr
 
1981
Länge
 
113 min. (3096 m)
Farbe
 
color
Tonverfahren
 
Mono
Format
 
35 mm (1.85:1)
Krimi
Liebesfilm
Thriller


Regie   Lawrence Kasdan
Drehbuch   Lawrence Kasdan
Kamera   Richard H. Kline
Spezialeffekte   Hal Bigger, Howard Jensen
Schnitt   Carol Littleton
Musik   John Barry
Ton   Maury Harris, James Cook, Christopher
    Jenkins, Richard Portman, Robert Grieve
    (Schnitt)
Prod.-Design   Bill Kenney
Bauten   Robert L. Anderson, Sig Tinglof, Richard
    McKenzie
Ausstattung   Richard T. Gentz
Kostüme   Renie Conley, Barbara Seibert Bolticoff
Maske   Robert Sidell (Make-up), Adele Taylor
    (Frisuren)
Stunts   William H. Burton, Ron Stein
Produktion   Fred T. Gallo für The Ladd Company
Verleih   Warner-Columbia


Kinostart
USA
  August 1981
D
  18.02.1982
       
DVD
USA
  18.11.1997 (Warner Home Video)
D
  25.09.1998 (Warner Home Video)


 
USA
  23000000 $
 
D
 
183665 €, 52826 Zuschauer


William Hurt   (Ned Racine)
Kathleen Turner   (Matty Walker)
Richard Crenna   (Edmund Walker)
Ted Danson   (Peter Lowenstein)
J.A. Preston   (Oscar Grace)
Mickey Rourke   (Teddy Lewis)
Kim Zimmer   (Mary Ann)
Jane Hallaren   (Stella)
Lanna Saunders   (Roz Kraft)
Carola McGuinness   (Heather Kraft)
Michael Ryan   (Miles Hardin)
Larry Marko   (Richter Costanza)
Deborah Lucchesi   (Beverly)
Lynn Hallowell   (Angela)
Tom Sharp   (Michael Glenn)
Ruth Thom   (Mrs. Singer)
Diane Lewis   (Glenda)


Florida im Sommer. Brütende Hitze lastet über den Städten. Ein Treibhausklima, in dem vor allem eins gedeiht - gefährliche Leidenschaften. Der junge, wenig erfolgreiche Anwalt Ned Racine treibt sich an einer Strandpromenade herum, auf der Suche nach einer Frau. Er entdeckt Matty Walker, spricht sie an und erhält eine Abfuhr. Doch Ned ist von der zurückweisenden Schönheit fasziniert. Als er sie später in einer Bar wiedertrifft, folgt er ihr nach Hause. Ein unheilvolles Verhältnis beginnt. Matty ist verheiratet mit Edmund Walker, einem reichen, aber dubiosen Geschäftsmann. Edmund würde Matty vielleicht freigeben, aber dann stünde sie ohne Vermögen da, was der Grund ihrer Heirat war. Es reift der Plan, Edmund zu beseitigen. Ned arrangiert Walkers Tod als Unfall, mit Hilfe eines Brandsatzes seines ehemaligen Klienten Teddy. Doch ein Detail entgeht ihm. Polizei und Staatsanwaltschaft, vertreten durch Neds Freunde Oscar und Peter, glauben an Mord, da die Brille des kurzsichtigen Walker bei seiner Leiche fehlte. Matty wird von ihnen verdächtigt, zumal sie es gegen Neds Rat unternommen hat, das Testament ihres Mannes annullieren zu lassen und damit dessen gesamtes Vermögen an sich zu reißen. Als Ned zufällig einen befreundeten Kollegen trifft, der ihn nach seiner Klientin fragt, die sich bei ihm nach Ned und Erbschaftangelegenheiten erkundigt hatte, beginnt der Anwalt Unheilvolles zu ahnen. Als er dann auch noch von Teddy erfährt, daß eine junge Frau sich bei ihm auf Neds Empfehlung einen Sprengsatz bestellt habe, der an das Öffnen einer Tür gekoppelt werden könne, wird sein Mißtrauen immer stärker. Er vereinbart ein Treffen mit Matty in ihrem Bootshaus. Dort angekommen, schaut er durch ein Fenster und entdeckt einen Draht an der Tür. Als Matty kommt, schickt er sie in das Bootshaus, das kurz darauf in die Luft fliegt. Ned aber wird von Oscar wegen des Mordes an Walker verhaftet, und Matty wird für tot erklärt. Keiner will ihm seine Theorie glauben, nach der Matty noch lebt und es sich bei der Leiche im Bootshaus um ihre Freundin handelt, deren Identität sie angenommen hatte und von der sie deshalb erpreßt wurde. Ned selbst hatte beide Frauen einmal verwechselt. Das Abschlußbuch eines College-Jahrgangs gibt Ned schließlich die Gewißheit. Unter dem Bild Mattys steht der Name ihrer Freundin. Überblendung: Eine zufriedene Matty liegt an einem sonnigen Strand irgendwo im Süden.

 


Lawrence Kasdan, Drehbuchautor von Krieg der Sterne, schuf mit seinem Regieerstling Body Heat eine überaus virtuose Hommage an den Film noir. Er folgt der Ambivalenz von Lust und Tod, die etwa ein so zynisches Melodram wie Billy Wilders Frau ohne Gewissen auszeichnet.»Mich interessierte der Film noir sehr. Nach meiner Meinung gibt es da eine vergleichbare moralische Situation: als die Männer aus dem 2.Weltkrieg zurückkehrten, hatten sie und auch Amerika ihre Unschuld verloren. Es war nicht leicht damals. Die Frauen und die Gesellschaft hatten sich radikal verändert, und die Männer waren sehr verunsichert darüber, was die Frauen repräsentierten und welche neue Macht sie während der Abwesenheit der Männer gewonnen hatten. Auch unsere Welt hat sich verändert, und wir haben es nicht erwartet. Ein anderer Grund ist, daß ich die Sprache im Film vermisse: den Dialog. Der Film noir hatte ihn in reichem Maße - der Dialog knisterte, hatte Biß. Er ist überhöht, nicht naturalistisch. So einen Film wollte ich sehen. Alles, was ich geschrieben habe, hatte mit meinem Wunsch zu tun. Ich wollte einen Film schreiben, der diese Art von überhöhtem Dialog benutzte, um den visuellen Stil zu kräftigen, eine umfassende Stimmung zu kreieren, und diese Art von Melodram eignet sich dazu leicht.« (Lawrence Kasdan in: Film Comment).

Kasdan erwies sich auch als Regisseur als ein subtiler Perfektionist, der brüchige Doppelbödigkeit ebenso stilsicher beherrscht wie lackierten Hochglanz. Irritationen werden so geschaffen, tradierte Rollen kehren sich so in ihr Gegenteil um (ein Kennzeichen der Femme fatale im Film noir), die Geschichte entwickelt eine konsequent-zerstörerische Dynamik, und dies alles im Halbdunkel, das mehr verdeckt als zeigt, ein visuelles wie moralisches Chiaroscuro, begleitet vom Rascheln der Seidenunterwäsche und Surren des Ventilators. Kasdans Film glüht vor Sinnlichkeit und Erotik, ist dabei überaus spannend und überraschend. »Überzeugend erscheint vor allem, mit welcher formalen Konsequenz der Regisseur die Geschichte in eine düster-schwüle Atmosphäre taucht, ja fast zu einem Fiebertraum steigert. So wird mit brütender Hitze, geschickt eingesetzten Farben und Geräuschen und schweißnassen Leibern ein psychischer Ausnahmezustand eindringlich zu verdeutlichen versucht und ein sehr artifizieller Handlungsrahmen geschaffen, in dem extrem überreizte Sinne herrschen.« (Hubert Haslberger, Filmdienst).

In Kathleen Turner, deren erster Film dies war, fand Kasdan eine faszinierende Hauptdarstellerin, eine Mischung aus Lauren Bacall und Lana Turner, die ihren Worten eine gefährlich scheinende Ambiguität verleiht. »Kathleen Turner spielt eine tödliche Frau, die zu Beginn weiß gekleidet ist und damit, in Anspielung auf die weißen Figuren im Schachspiel, Ned immer einen Schritt voraus. Ned bekommt lange Zeit gar nichts mit, so ist ihm die Körperhitze zu Kopfe gestiegen. Und als er Matty durchschaut und glaubt, reagieren zu können, da ist es schon zu spät. Der Titel des Films fungiert als dessen zentrale Metapher, die schwülen erotischen Szenen explizieren, was im Film Noir der Nachkriegszeit nur vage angedeutet wurde. Trotz der für einen Film Noir relativen Offenheit der Darstellung hat Kasdan nicht auf psycholanalytisch interessante Äußerungen mit erotischem und sexuellen Subtext verzichtet, wie sie für dieses Sub-Genre bezeichnend sind. Natur ist in Eine heißkalte Frau von beträchtlicher Bedeutung. Wie ein Bote des Unheils wirkt die sengende Hitze, welche die Tage der Charaktere beeinflußt, nur die Nächte bringen etwas Abkühlung. Wasser ist ein weiteres wichtiges Motiv in Kasdans Film, der an der See spielt; es ist im allgemeinen ein Bild für das Leben. Die Geschichte des Lebens findet dort ihren Anfang. Aber manchmal endet das Leben auch im Wasser. Mit ihm assoziiert ist das Bootshaus, in dem die Sprengladung untergebracht ist. Die See wird nicht selten nebelverhangen gezeigt. Damit ist der (symbolische) Ort des Ertrinkens als solcher nicht wahrnehmbar, was sehr gut die Situation beschreibt, in der sich Ned befindet. Die Rahmungen, die Schattenspielereien in Eine heißkalte Frau repräsentieren Beschränkungen des Bewußtseins für Ned. Diese werden von Matty kontrolliert, die zu diesem Zweck ihre Sexualität und ihre von Zynismus durchsetzte Intelligenz verwendet.« (Holger Wacker in: Enzyklopädie des Kriminalfilms).



British Academy Awards, UK
Jahr   Kategorie/Preisträger
1983
British Academy Award
Beste Nachwuchsdarstellerin - Kathleen Turner (Nominierung)
 
Golden Globes, USA
Jahr   Kategorie/Preisträger
1982
Golden Globe
New Star of the Year in a Motion Picture - Kathleen Turner (Nominierung)

 

 



 
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Hubert Haslberger in: film-dienst, 5/1982

Cinema Nr.46 (3/1982), S.82; Nr.303 (8/2003), Plakatkarte

Charlot, Alain: Die 100 besten Kriminalfilme (Heyne Filmbibliothek), München 1991

Koebner, Thomas (Hrsg.): Filmklassiker, Stuttgart/Leipzig 1995

Müller, Jürgen: Filme der 80er, Köln 2002

Wacker, Holger (Hrsg.): Enzyklopädie des Kriminalfilms, Meitingen 1995

Zurhorst, Meinolf: Lexikon des Kriminalfilms, München 1993