Der Name der Rose




Technisches
Land
 
DIF
Jahr
 
1986
Länge
 
131 min. (3592 m)
Farbe
 
Color
Tonverfahren
 
Dolby
Format
 
35 mm (1.85:1)
Krimi
Historienfilm
Mystery


Credits
Regie   Jean-Jacques Annaud
Drehbuch   Andrew Birkin, Gérard Brach,
    Howard Franklin, Alain Godard
Literaturvorlage   Umberto Eco
Kamera   Tonino Delli Colli
Spezialeffekte   Adriano Pischiutta
Schnitt   Jane Seitz
Musik   James Horner
Ton   Frank Jahn
Bauten   Dante Ferretti
Ausstattung   Francesca Lo Schiavo
Kostüme   Gabriella Pescucci
Maske   Hasso von Hugo
Stunts   Sergio Mioni, Stefano Maria Mioni
Produktion   Bernd Eichinger, Franco Christaldi,
    Alexandre Mnouchkine, Thomas Schühly,
    Jake Eberts für Neue Constantin/ Cristaldi/
    Films Ariane
Verleih   Neue Constantin, atlas (16 mm),
    Constantin (Video)



 Kinostart
D   16.10.1986
       
Videostart
D   31.08.1987
       
DVD
USA
  06.07.2004 (Warner Home Video)
D
  1998 (EuroVideo)
D
  24.03.2003 (Kinowelt)
D
  20.07.2004 (Warner Home Video)
D
  06.08.2004 (Warner Home Video, Special Edition)


Einspielergebnisse

Weltweit
 
77200000 $
 
D
 
22492142 €, 5896891 Zuschauer


Darsteller
Sean Connery   (William von Baskerville)
Christian Slater   (Adson von Melk)
F. Murray Abraham   (Bernardo Gui)
Feodor Chaliapin jr.   (Jorge de Burgos)
Michael Lonsdale   (Abt)
Helmut Qualtinger   (Remigio)
Valentina Vargas   (Bauernmädchen)
Ilya Baskin   (Severinus)
William Hickey   (Ubertino de Casale)
Ron Perlman   (Salvatore)
Volker Prechtel   (Malachias)
Peter Berling   (Jean d'Anneaux)
Michael Habeck   (Berengar)
Urs Althaus   (Venantius)
Leopoldo Trieste   (Michele de Cesena)
Franco Valobra   (Jerome von Kaffa)
Donald O'Brien   (Pietro d'Assisi)
Lucien Bodard   (Cardinal Bertrand)
Pete Lancaster   (Bischof von Alborea)
Lars Bodin-Jorgensen   (Adelmo)
Vernon Dobtcheff   (Hugh of Newcastle)
Andrew Birkin   (Cuthbert of Winchester)
Franco Adducci   (Mönch)
Aristide Caporale   (Mönch)
Fabio Carfora   (Mönch)
Peter Cloes   (Mönch)
Mario Diano   (Mönch)
Fabrizio Fontana   (Mönch)
Rolando Fucili   (Mönch)
Valerio Isidori   (Mönch)
Luigi Leone   (Mönch)
Armando Marra   (Mönch)
Maurizio Mauri   (Mönch)
Ludger Pistor   (Mönch)
Francesco Scali   (Mönch)
Maria Tedeschi   (Mönch)
Andrea Tilli   (Mönch)
Ennio Lollainni   (Schweinehirt)
Emil Feist   (Schweinehirt)
Francesco Maselli   (Schweinehirt)
Renato Nebolini   (Schweinehirt)
Antonio Cetta   (Bauer)
Franco Covielleo   (Bauer)
Daniele Ferretti   (Bauer)
Luciano Invidia   (Bauer)
Mauro Leoni   (Bauer)
Massimiliano Scarpa   (Bauer)
Umberto Zuanelli   (Bauer)
Mark Bellinghaus   (Jorges Novize)
David Furtwaengler   (Novize)
Patric Kreuzer   (Novize)
Kim Rossi Stuart   (Novize)
Franco Diogene   (Päpstlicher Gesandter)
Giordano Falzoni   (Päpstlicher Gesandter)
Gina Poli   (Päpstlicher Gesandter)
Gianni Rizzo   (Päpstlicher Gesandter)
Lothar Schoenbrodt   (Päpstlicher Gesandter)
Vittorio Zarfati   (Päpstlicher Gesandter)
Carlo Bianchino   (Päpstliche Wache)
Eugenio Bonardi   (Inquisitionsgarde)
Pietro Ceccarelli   (Inquisitionsgarde)
Franco Marino   (Inquisitionsgarde)
Hans Schödel   (Inquisitionsgarde)
Peter Welz   (Nero)
Alberto Capone   (Henker)
Gaston Bonheur   (Mönch)


Inhalt

Als alter Mann erinnert sich der Mönch Adson von Melk: Im Jahr 1327 kommt er als Adlatus des Franziskaners William von Baskerville in ein einsam gelegenes Benediktiner-Kloster. Hier soll in Kürze eine Disputation zwischen Franziskanern und päpstlichen Legaten über den Streit um Armutsgelübde und weltliche Machtansprüche der Kirche stattfinden. Doch vorläufig beunruhigen einige mysteriöse Todesfälle, Morde offenbar, das Kloster, und der Abt bittet William, den Täter zu suchen. Unterdessen aber taucht die päpstliche Delegation, zu der auch der Inquisitor Bernardo Gui gehört, im Kloster auf. Die Disputationen bleiben fruchtlos, aber Bernardo Gui gelingt es, drei angebliche Ketzer zu überführen: die Mönche Remigio und Salvatore und ein Mädchen, mit dem Adson stumm, wie getrieben eine Liebesnacht verbracht hat. Während schon die Scheiterhaufen angezündet werden, findet William im geheimnisvollen Labyrinth der Klosterbibliothek die Lösung des Kriminalfalles: In dem verloren geglaubten zweiten Buch des Aristoteles, das vom Lachen handelt, liegt die Ursache der bizarren Todesfälle. Der greise Bibliothekar Jorge de Burgos, für den Lachen die Überwindung der Furcht ermöglicht und damit eine Gefahr für den Glauben bedeutet, hat dieses gefährliche Buch so präpariert, daß unbefugte Leser sich bei der Lektüre vergiften. Als Jorge und William sich gegenüberstehen, kommt es zu einem Handgemenge, bei dem die Bibliothek in Flammen aufgeht und der Bibliothekar den Tod findet. In dem entstehenden Tumult kann das Mädchen entfliehen, während Bernardo Gui von der aufgebrachten Menge in den Abgrund gestoßen wird. Noch einmal begegnen sich Adson und das Mädchen in einer öden Winterlandschaft. Doch Adson bleibt seinem Gelübde treu.

 


Kritik

»Der italienische Semiontikprofessor Umberto Eco schrieb einen Bestseller über das Ende des Hochmittelalters und die ersten Vorzeichen der Neuzeit. Protagonisten seines Romans sind eine immense Klosterbibliothek, die das Monopol des Wissens der Epoche repräsentiert, und ein Buch, das ihre klerikale Ideologie, die das Leben der Menschen bis in ihre privatesten Verrichtungen prägt, in Frage stellt. Spannend und unterhaltsam breitet Eco die Summe der Theologie, der Philosophie, der Historie einer Epoche des Zerfalls aus. Um dem Leser den Zugang zu der komplizierten Materie zu erleichtern, bedient er sich der Form der Kriminalerzählung in der Tradition Arthur Conan Doyles. Man würde der Bearbeitung Annauds unrecht tun, sie nach den Kriterien der Literaturverfilmung zu beurteilen.« (Fischer Filmalmanach). Das Zitatsystem, die Collagetechnik, der theoretische Hintergrund, der diskursive Abhandlungscharakter des Romans sind filmisch kaum zu erfassen oder wiederzugeben. Es ist zwar kein Jahrhundertwerk entstanden, aber immerhin eine bis in Nuancen sorgfältig und handwerklich sauber durchgeführte Inszenierung, die Ecos philosophische Erzählung in Handlung, Bilder und Atmosphäre umsetzt. Der Film betont die Kriminalhandlung mit wohldosierten Schauereffekten und ironisch-witzigen Akzenten vor einer historischen Kulisse. Das Mittelalter wird fern aller überkommenen Klischees in seinen Zusammenhängen lebendig. Eindrucksvoll hierbei ist die Beschreibung der kirchlichen Inquisition. Annaud parallelisiert dabei den Brand der Bibliothek und den Brand der Scheiterhaufen, eine Montage die suggeriert, daß Bücherverbrennung und Menschenverbrennung etwas miteinander zu tun haben, der bibliothekarische Zensor und der Inquisitor Hand in Hand arbeiten. Der christliche Fanatismus des Mittelalters und die faschistischen Greuel unseres Jahrhunderts werden hier latent zusammengedacht. Nur der Schluß, der die Vielschichtigkeit der Vorlage zugunsten einer Erfüllungs-Dramaturgie aufgibt, die auf (fast) alle Fragen der Zuschauer vorsorglich Antworten gibt, ist da ein wenig enttäuschend. Der Tod des Bösewichts, die Rettung des Mädchens, die Abschiedsszene sind zwar emotional wirksame Kinoklischees, ziehen aber Ecos Absichten etwas ins Banale. Indem der Film zum Schluß eine geordnete, vertraute Kinodramaturgie zitiert, widerspricht er der letzten philosophischen Erkenntnis des Romans, daß die Welt ohne Ordnung ist.

»Der Bücherleser mißtraut mit gutem Grund den Literaturverfilmern. Denn die schnorren der Sprache oft nur wohlfeile Bilder ab und pfuschen dem Leser damit in die Phantasie. Doch selten schien eine Verwandlung von Literatur in Film so wohlgelungen wie hier. Man hielt das kaum für möglich. Denn schließlich ist Umberto Ecos intelligenter Kloster-Krimi Der Name der Rose ein dicker Bildungs-Wälzer, der bei den Lateinern und Griechen in allen Philosophiewinkeln des christlich barbarischen Mittelalters verweilt: in seiner historischen Fülle unverfilmbar. Aber hier zeigt sich, wie tragfähig ein literarisches Kunstwerk sein kann, wenn das sinngebende Stützgebälk stabil und einfach ist. Der Bruder William von Baskerville lebt zwar im begrenzten Erkenntnisstand seiner Zeit, ist aber als Vorausdenker eine zeitlose Figur: Der Tabubrecher, der fragt, wonach man nicht fragen darf. Wie ein früher Sherlock Holmes kriegt er heraus, daß die ermordeten Mönche aller hinter einem verbotenen Buch her waren - einem Buch über das Lachen. Lachen aber gilt als schädlich, da es von der Furcht befreit. Der Glaube braucht die Furcht. Eine Parabel der Macht also: Wissen ist nur für die Mächtigen. Mittelalterlich? Das Bücherverbrennen und Gedankenzensieren funktionierte über alle Zeiten hinweg. Sean Connery in der Rupfensack-Kutte zeigt als Bücher-versessener Kapuzen-Holmes weise-ironischen Humor, und mit seinem Jung-Watson ist er das moderne Element in einem versteinernden System alter Eiferer und der vom Glaubensterror reformierten. Der Regisseur Jean-Jacques Annaud versenkte sich dabei in das Körpergefühl des 14.Jahrhunderts (faule Zähne, bresthafte Leiber, Dreck und Gestank) ähnlich penibel wie in die Steinzeit-Seelen seines Films Am Anfang war das Feuer: Qualtinger mit Pockennase, Kretins, bizarre Psycho-Freaks, Bazillentümpel und Denklabyinth in einer weltfernen Klosterarchitektur, in der Poesie und Grauen dicht beieinander wohnen. Derzeit der intelligenteste Detektiv-Thriller, der im Handel ist - egal, ob einer Bücher liest oder nicht.« (Ponkie, AZ).

Der Name der Rose, europaweit einer größten Kinoerfolge des Jahres 1986, wurde mit einem Budget von 46 Millionen DM in Italien und Deutschland gedreht. Vorausgegangen war eine monatelange, vergebliche Suche nach einem Klosterbauwerk, das mit den Beschreibungen des Romans übereinstimmte. Schließlich baute man für die Außenszenen in der Nähe von Rom das Areal der Abtei komplett nach und konstruierte somit das größte Außenset seit Joseph L. Mankiewicz Cleopatra. Die Innenaufnahmen entstanden im deutschen Zisterzienserkloster Eberbach, dessen Räumlichkeiten seit dem Mittelalter weder umgebaut noch restauriert worden waren und so einen idealen Drehort abgaben. Größte Detailgenauigkeit wurde auch für die Kostüme an den Tag gelegt, die alle in mühsamer Handarbeit angefertigt wurden.



Auszeichnungen
Deutscher Filmpreis, Deutschland
Jahr   Kategorie/Preisträger
1987
Bester Hauptdarsteller - Sean Connery
Beste Ausstattung - Dante Ferretti, Rainer Schaper
Bester Film (Nominierung)
Bester Film
 
British Academy Awards, UK
Jahr   Kategorie/Preisträger
1988
Bester Hauptdarsteller - Sean Connery
Beste Maske - Hasso von Hugo
 
César, Frankreich
Jahr   Kategorie/Preisträger
1987
Bester ausländischer Film - Jean-Jacques Annaud
 
Goldene Leinwand, Deutschland
Jahr Kategorie
1986

 

Goldene Leinwand

 


Bewertung
 
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Literatur

Gert Berghoff in: Kölner Rundschau, 18.10.1986; Wilheln Bittorf in: Der Spiegel, 13.10.1986; Anne Frederiksen in: Zitty, 21/1986; Hans Gerhold in: film-dienst, 21/1986; Gertrud Koch in: FR, 16.10.1986; Peter Kremski in: medien+erziehung, 6/1987; Martin Schlappner in: NZZ, 16.10.1986; Burghard Schlicht in: epd Film, 11/1986; Hans-Dieter Seidel in: FAZ, 16.10.1986; Wolfgang Würker in: Westermann´s, 10/1986

Cinema Nr.101 (10/1986), S.10

Hickethier, Knut/Schumann, Katja (Hrsg.): Filmgernes: Kriminalfilm, Stuttgart/Leipzig 2005

Müller, Jürgen: Filme der 80er, Köln 2002



Weblinks

IMDB