Harold und Maude




Technisches
Land
 
USA
Jahr
 
1971
Länge
 
90 min.
Farbe
 
color
Tonverfahren
 
Mono
Format
 
35 mm (1.37/1.85:1)
Komödie
Liebesfilm


Regie   Hal Ashby
Drehbuch   Colin Higgins
Kamera   John A. Alonzo
Spezialeffekte   A.D. Flowers
Schnitt   William Sawyer, Edward Warschilka
Musik   Cat Stevens
Ton   William Randall, Richard Portman, James A.
    Richards (Schnitt), Frank E. Warner
    (Schnitt)
Ausstattung   Michael Haller
Kostüme   William Ware Theiss
Maske   Bob Stein (Make-up), Kathryn Blondell
    (Frisuren)
Stunts   Buddy Joe Hooker
Produktion   Charles B. Mulvehill, Colin Higgins für
    Paramount
Verleih   UIP (Erstverleih: FiFiGe)


Kinostart
D
  19.04.1974
       
TV-Premiere
D
  02.01.1976, ARD
       
DVD
USA
  27.06.2000 (Paramount)
USA
  18.03.2002 (Paramount)
D
  16.05.2002 (Paramount)
D
  15.10.2005 (SZ-Cinemathek Nr. 33)


 
D
  183804 Zuschauer (1974)


Ruth Gordon   (Maude)
Bud Cort   (Harold)
Vivian Pickles   (Harolds Mutter)
Charles Tyner   (Onkel Victor)
Cyril Cusak   (Bildhauer)
Ellen Geer   (Sunshine)
Eric Christmas   (Priester)
G. Wood   (Psychiater)
Judy Engles   (Candy)
Shari Summers   (Edith)


Harold, von der Erziehung durch seine ebenso reiche wie gedankenlose Mutter gründlich verkorkst, verwendet seine Energie vornehmlich auf das Arrangement fingierter Selbstmordversuche und verbringt seine Freizeit am liebsten mit dem Besuch von Begräbnissen. Hier lernt er die fast achtzigjährige Maude kennen, die in einem phantastisch ausgestatteten ehemaligen Eisenbahnwagen lebt, gelegentlich Autos enteignet und Harold zu unbekümmerter Individualität ermuntert. Gemeinsam veralbern die beiden die gute Gesellschaft ebenso wie die Polizei; und gemeinsam vereiteln sie den Versuch von Harolds Mutter, den jungen Mann über die Vermittlung seines Onkels Victor in die Armee zu stecken und dort zu domestizieren. Die Beziehungen zwischen Harold und Maude werden schließlich so eng, daß der junge Mann sie gar um ihre Hand bittet; aber Maude macht an ihrem 80.Geburtstag wahr, was sie schon früher angekündigt hatte: Sie wählt den Freitod. Harold rast verzweifelt mit seinem Auto über die Klippen. Doch am Ende steht er unversehrt in einer traumhaft schönen Landschaft.



Eine Komödie voller Widerhaken hat Ashby hier gedreht, ein skurriles Spiel, das für Individualität ebenso wirbt wie für Pragmatismus und das die Ohnmacht der Institutionen bei der Lösung zwischenmenschlicher Konflikte zeigt. Etwas vom Geist der »Flower Power«-Bewegung der 60er Jahre ist in Harold und Maude noch herübergeschwappt, denn all diejenigen die im modernen Amerika das Sagen haben, kommen hier nicht gut weg. Der »American way of life« erscheint als Schreckensvision, die traditionellen Ordnungskräfte wie Militär und Polizei sind zur Karikatur degeneriert, und der Glaube eines Psychoanalytikers an seine Wissenschaft ist nur noch Anlaß zur Belustigung. Die Botschaft des Films, daß man so frei wie man will leben kann, wenn man nur den Mut dazu hat, findet ihren musikalischen Ausdruck in dem Filmsong »If You Want To Be Free«, gesungen von Cat Stevens. Daß Maude sich ausgerechnet in dem Augenblick von ihrem Schützling trennt, als er von seiner angeblichen Todessehnsucht geheilt ist, hat die Kritik dem Film teilweise verübelt. Möglicherweise zu Unrecht, denn unter dem Gesichtspunkt, daß Maude eine Vergangenheit hat, von der wir nichts wissen (außer, daß ihr Ehemann in einem KZ umgekommen ist), wird ihr Freitod eventuell verständlich: »Ich würde davon ausgehen, daß sie schon viele Jahre zuvor hatte sterben wollen, daß sie aber das Abkommen mit sich geschlossen hat, das Leben fortzusetzen, für jene, die in den Lagern starben, ein Mahnmahl zu sein, und einem Leben (ihrem eigenen), das den Holocaust überstanden hat, einen Sinn zu geben.« (Danny Peary, Cult Movies).

Das Filmskript stammt von dem Studenten Colin Higgins, der den Stoff für seine Examensarbeit verwerten wollte und den Text der Ehefrau eines Paramount-Produzenten zu lesen gab. Sie war begeistert, gründete mit Higgins eine Produktionsgesellschaft und versicherte sich der Mitarbeit von Paramount. Higgins überarbeitete die Story der ungewöhnlichen Zweierbeziehung zum Drehbuch. Als der Film Anfang der 70er Jahre anlief, erntete er vernichtende Urteile. Woran sich die meisten stießen, war das ungewöhnliche Verhältnis zwischen einem vorgeblich morbiden/nekrophilen jungen Mann und einer alten Frau. Aber auch die sorglose Lebensphilosophie der hochbetagten Hippie-Dame brachte einige Publizisten auf die Palme. Hielten sie den Film bestenfalls für »geschwätzig« (Michael Krug, Medium), so hieß es in der einflußreichen Branchenzeitung Variety, Harold und Maude sei eine »geschmacklose offbeat-comedy«, die den gleichen Witz aufweise »wie ein in Flammen stehendes Waisenhaus.« Andere Kritiker waren der Ansicht, Harold und Maude ließe den Zuschauer »mit einem schlechten Geschmack im Mund zurück« und verdiene »nicht mehr Aufmerksamkeit, als ein zweiköpfiges Kalb auf einer Landwirtschaftsausstellung.« (Jerry Parker, Newsday). Um so mehr wunderte man sich, als der Streifen - speziell in den Universitätsstädten - bald nicht mehr aus den Kinos herauszukriegen war und in manchen Theatern ununterbrochen zwei oder drei Jahre lief. Und all das lag nicht nur an der makabren, unkonventionellen Story, sondern auch an der Leistung der Hauptdarsteller. »Cort ist die Verkörperung der verlorengegangenen Kindheit, Miß Gordon ist von liebenswürdiger Direktheit und zutiefst bewegend - sie spielt eine gefühlvolle Rolle. Und Vivian Pickles ist als Corts Mutter die personifizierte Perfektion.« (Judith Christ, New Yorker).



British Academy Awards, UK
Jahr   Kategorie/Preisträger
1973
British Academy Award
Bester Newcomer - Bud Cort (Nominierung)
 
Golden Globes, USA
Jahr   Kategorie/Preisträger
1972
Golden Globe
Bester Hauptdarsteller (Musical/Komödie) - Bud Cort (Nominierung)
Beste Hauptdarstellerin (Musical/Komödie) - Ruth Gordon (Nominierung)
 


 
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Hahn, Ronald M./Jansen, Volker: Kultfilme (Heyne Filmbibliothek), München 1998

Müller, Jürgen: Filme der 70er, Köln 2003

Peary, Danny: Cult Movies, New York 1981



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