Tollkühne Flieger




Technisches
Land
 
USA
Jahr
 
1975
Länge
 
107 min.
Farbe
 
color
Tonverfahren
 
Mono (Westrex)
Format
 
35 mm (2.35:1)
Abenteuer
Drama
Western


Regie   George Roy Hill
Drehbuch   William Goldman
Kamera   Robert Surtees
Schnitt   Peter Berkos, William Reynolds
Musik   Henry Mancini
Ton   Robert J. Miller, Ronald Pierce, Roger
    Sword (Schnitt), Peter Berkos (Schnitt)
Bauten   James Payne
Ausstattung   Henry Bumstead
Kostüme   Edith Head
Maske   Gary Liddiard
Stunts   Buff Brady, Buddy Van Horn
Produktion   George Roy Hill für Universal
Verleih   CIC (Video)


Kinostart
USA
  März 1975
D
  05.09.1975
       
DVD
USA
  16.06.1998 (Good Times Home Video)
D
  17.01.2002 (Universal)


 
USA
  20642922 $


Robert Redford   (Waldo Pepper)
Bo Svenson   (Axel Olsson)
Bo Brundin   (Ernst Kessler)
Susan Sarandon   (Mary Beth)
Geoffry Lewis   (Newt)
Eduard Hermann   (Ezra Stiles)
Philip Bruns   (Dillhoefer)
Roderick Cook   (Werfel)
Kelly Jean Peters   (Patsy)
Margot Kidder   (Maude)
Scott Newman   (Duke)
James S. Appleby   (Ace)
Patrick W. Henderson Jr.   (Scooter)


Nebraska 1926: Kriegsveteran und Ex-Jagdflieger Waldo Pepper führt im amerkanischen Mittelwesten Rundflüge durch. Für die Landbevölkerung sind die fliegenden Kisten eine Sensation und die wagemutigen Piloten mit ihren Kunststücken Helden. Zusammen mit dem Kunstflugpiloten Axel Olsson bewirbt sich Waldo bei einem Luftzirkus. Mit Olssons Freundin Mary üben die beiden Flieger waghalsige Manöver, denn der Zirkusdirektor braucht spektakuläre Aktionen. Waldo probiert erstmals das Umsteigen von einem Auto aufs Flugzeug und kommt dabei fast ums Leben. Es kommt zu einem Unfall, bei dem Mary tödlich verunglückt. Waldo verliert seine Fluglizenz und zieht weiter nach Hollywood, wo er als Stuntflieger den Luftkampf des deutschen Jagdfliegers Ernst Kessler nachstellt. Waghalsig versucht Waldo, diese Szene so brisant wie mög-lich hinzulegen und stürzt dabei ab.

 


Tollkühne Flieger, dessen emotionaler Ursprung bei seinem Regisseur George Roy Hill lag, der sowohl im Zweiten Weltkrieg als auch in Korea bei den Marines als Pilot im Einsatz gewesen war, galt zum Zeitpunkt seines Entstehens als sicherer Kassenknüller. »Keiner meiner Filme hatte je so viele Erwartungen ausgelöst wie The Great Waldo Pepper. Ein gigantischer Star in einem romantischen Abenteuer, ein namhafter Regisseur, der die große Leidenschaft seines Lebens verfilmen durfte, wahrscheinlich die spektakulärsten Flugstunts seit Wings. Ich wurde von Leuten aus der Branche angerufen, und der allgemeine Konsens war: The Great Waldo Pepper würde abräumen. Hill und Redford hatten bereits zweimal zusammengearbeitet: Bei Butch Cassidy And The Sundance Kid und The Sting. The Great Waldo Pepper würde die Trilogie abschließen.« (zitiert nach: William Goldman, Das Hollywood-Geschäft). Doch der Film wurde an der Kinokasse ein großer Flop. »Ich war bei der Vorführung in Boston dabei. Der Film lief an. Der Vorspann war wunderschön. Das Publikum wurde, wie erwartet, still. Dann begann der erste Akt mit Spaß und Spiel - und sie waren hingerissen. Das Publikum amüsierte sich königlich. Nun ging der Film zum zweiten Akt über, der von den Flugshows handelt. Kein Problem - das Publikum war immer noch voll dabei. Dann kamen wir zum sensationellsten aller Stunts - dem Umsteigen von einer Maschine zur anderen mitten im Flug. Der Vorlauf der Geschichte war folgender: Susan Sarandon spielte die Freundin von Redfords Kumpel. Zu Beginn des Films ist sie eine großäugige Unschuld, und sie verwandelt sich vor unseren Augen in eine Frau, die davon besessen ist, ›Das Girl am Himmel‹ zu werden. Sie soll frierend und hilflos auf der Tragfläche stehen, worauf das Flugzeug zum Feld außerhalb der Ortschaft zurückkehrt. Nur daß die Sarandon auf der Tragfläche vor Angst erstarrt und das Flugzeug nicht landen kann. Redford macht sich bereit, von seiner Maschine auf die der Sarandon umzusteigen, wobei er sich an die gegenüberliegende Flügelspitze klammern muß. Totenstille im Publikum. Susan Sarandon klammert sich an die Tragfläche des Flugzeugs, und Waldo Pepper Redford wird sein Leben riskieren, um sie zu retten. Nun hatten alle aufgehört, Popcorn zu knabbern, sie starrten auf die Leinwand. Immer näher rückt Redford, mit ausgestrecktem Arm, redend. Jetzt sehen wir die Sarandon, wie sie die endlich die Hand nach ihm ausstreckt - und dann Redford, wie betäubt, allein auf der Tragfläche. Sie ist abgestürzt. Die Kamera verweilt einen Moment lang auf seinem Gesicht, verzweifelt, betroffen; er war so weit gekommen, hatte sein Leben riskiert, sich solche Mühe gegeben. Zunächst war es nur ein Raunen. Man sah, wie die Leute sich einander zuwandten, wie sie Fragen stellten. Dann verstummte das Raunen - sie hatten begriffen, was mit dem Mädchen passiert war. Tot. Nachdem das Raunen verstummt war, herrschte Stille im Kino. Das Publikum war wütend. Es fühlte sich betrogen, es fühlte sich verraten, und es haßte uns. Wir hatten versucht, sie darauf vorzubereiten. Wir hatten gleich zu Anfang auf den Tod hingewiesen. Wir hatten früh im Film gezeigt, wie Leute verletzt werden. Wir hatten von sterbenden Piloten geredet, Flugzeugabstürze gezeigt. Wir wußten, daß dieser Moment dem Publikum viel abverlangte, und rein theoretisch hatten wir es ausreichend darauf vorbereitet. Man kümmerte sich nicht um unser ›rein theoretisch‹. Waldo Pepper hatte ein Mädchen sterben lassen. Nur ging es nicht um Waldo Pepper, sondern um den Goldjungen der siebziger Jahre, um den Helden seiner Zeit. Errol Flynn läßt keine Mädchen von der Tragfläche eines Flugzeugs zu Tode stürzen, genauso wenig wie Robert Redford, verdammt nochmal. Die Bostoner, die verärgert das Kino verließen, erwiesen sich als typisch für die Kinogänger des ganzen Landes. Wir hatten ihnen etwas geboten, was sie nicht wollten.« (William Goldman, Das Hollywood-Geschäft).

Trotz dieses Mißerfolgs besitzt Tollkühne Flieger durchaus beachtliche Qualitäten und steht den beiden anderen Hill/Redford-Produktionen Zwei Banditen und Der Clou in nichts nach. Die haarsträubende Luftakrobatik und die sensiblen, zwischenmenschlichen Stimmungsbilder sind dabei George Roy Hills Waagschalen zwischen grandioser Slapstick-Action und den großen Gefühlen des Melodrams.

»Der ganze Film ist mehr wie ein Comic, der vergeblich versucht, tiefere Einsichten zu vermitteln, aber trotzdem gute Unterhaltung bietet. « (The Motion Picture Guide).



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Goldman, William: Das Hollywood Geschäft, Bergisch Gladbach 1986