Graf Zaroff - Genie des Bösen




Technisches
Land
 
USA
Jahr
 
1932
Länge
 
63 min.
Farbe
 
s/w
Tonverfahren
 
Mono
Format
 
35 mm (1.37:1)
Abenteuer
Horror


Credits
Regie   Ernest B. Schoedsack, Irving Pichel
Drehbuch   James A. Creelman
Literaturvorlage   Richard Connell
Kamera   Henry Gerrard
Spezialeffekte   Harry Redmond jr.
Schnitt   Archie S. Marshek
Musik   Max Steiner, Carmen Lombardo
Ton   Clem Portman
Ausstattung   Carroll Clark
Stunts   Buster Crabbe
Produktion   Merian C. Cooper, Ernest B. Schoedsack
    für RKO
Verleih   Jugendfilm, Filmverlag der Autoren


Erstaufführung
Kinostart
USA
  09.09.1932
D
  06.08.1976
       
DVD
USA
  08.06.1999 (Criterion)
USA
  22.10.2002 (Alpha Video)
D
  13.02.2006 (Anolis Entertainment)


Einspielergebnisse

?



Darsteller
Joel McCrea   (Bob Rainsford)
Fay Wray   (Eve Trowbridge)
Robert Armstrong   (Martin Trowbridge)
Leslie Banks   (Graf Zaroff)
Hale Hamilton   (Bill Woodman)
Noble Johnson   (Ivan)
Steve Clemento   (Tartar)
Dutch Hendrian   (Narbengesicht)
William B. Davidson   (Captain)
Landers Stevens   (Doc)
James Flavin   (1. Offizier)


Inhalt
Dem »allergefährlichsten Spiel« geht der russische Graf Zaroff auf seiner Privatinsel nach, die er - von der Außenwelt völlig abgeschnitten - lediglich mit ein paar Bediensteten und einem Bluthundrudel bewohnt: Er frönt der Jagd. Und seine bevorzugte Beute ist der Mensch. Diese Erfahrung muß der Großwildjäger und Reiseschriftsteller Bob Rainsford machen, nachdem er als einziger den Untergang eines Schiffes überlebt hat, das vor Zaroffs Insel auf ein Riff gelaufen ist. Zwar gibt sich der Graf ganz als kultivierter Weltmann, doch trachten seine Sinne, auch wenn er den Bildungsbürger herauskehrt, nach rein »sinnlichen« Genüssen: Wer auf seine Insel kommt, muß sterben, auch wenn er seinen Opfern eine Chance gibt, die in einem Messer und mehreren Stunden Vorsprung besteht. Bob Rainsford ist entsetzt, als er das Seelenleben seines Gastgebers durchschaut. Und voller Ekel wendet er sich ab, als Zaroff ihm - dem Weitgereisten, dem berühmten Jäger - anbietet, gemeinsam mit ihm auf eine Jagdpartie zu gehen. Da will er doch lieber das Opfer sein. Zusammen mit der ebenfalls hier gestrandeten Engländerin Eve Trowbridge macht er sich in den von Fallen wimmelnden Dschungel auf, der Zaroffs Kastell umgibt. Die Bedingungen sind klar: Überleben sie die Nacht, sind sie frei. Stirbt Rainsford vor dem Ablauf der gestellten Frist, wird sich Zaroff der hübschen Eve bemächtigen, denn: »Erst wenn der Mensch getötet hat, kennt er die wahre Ekstase der Liebe !« Aber der Graf freut sich zu früh. Obwohl alles so aussieht, als würden die beiden Flüchtlinge sich in seinem enggespannten Netz verfangen, schlagen sie ihm ein Schnippchen. Ein Schuß, der Rainsford treffen sollte. trifft einen der Hunde. Der Graf geht befriedigt in sein Schloß zurück, um sich seiner »Beute« zu widmen, aber Rainsford kehrt in die Höhle des Löwen zurück. Zaroffs letzter Versuch, Rainsford zu töten, kehrt sich gegen ihn selbst: Er stürzt aus dem Fenster und wird von seinen eigenen Bluthunden zerfetzt.

 


Kritik
Dieser kleine Dschungel-Thriller ist nicht nur ein Meisterwerk in Sachen Horror ohne Übersinnliches, sondern war nicht einmal geplant: Ernest B. Schoedsack und Merian C. Cooper nutzten eine Drehpause zu King Kong und die weiße Frau um »irgend etwas« mit den ungenutzt herumstehenden Kulissen anzufangen. »Der wuchernde, schlingende, von erektilen Gebilden durchsetzte, wie eine einzige (Licht-)Falle magisch lockende Studio-Dschungel, durch den das junge Liebespaar vor dem distinguierten Unhold und seinen blurünstigen Hundenfliehen muß, nimmt sich wie eine gigantische Materialisation des Unbewußtenaus; ein Dom der Erotomanie.« (Andreas Meyer, Medium).

In der Adaption des Romans von Richard Connell vermischen sich die Genres und Motive auf originelle Weise: Zaroff ist der rassische Untermensch, ein äußerlich zivilisierter, innerlich aber total degenerierter slawischer Aristokrat, ein Barbar, der auf die Verkörperung des guten Amerikaners Bob Rainsford und dessen weibliche Begleitung Jagd macht. Die weitverbreitete Angst vor dem revolutionären Rußland mit seinem strikt antikapitalistischen Wirtschaftssystem und den nach außen verriegelten Grenzen ging in diesem paranoiden Hollywood-Produkt eine höchst bizarre Verbindung mit unverblümt beim Namen genannten sexuellen Perversionen ein.

»Zaroff ist der De Sadesche Held par excellence, ein Sadomasochist, der die Angst vor dem Tod auskostet, weil erst sie seine sexuellen Gelüste richtig stimuliert. Der Langeweile an der Jagd auf Tiere, derentwegen er sein neues ›Wild‹ - den Menschen - finden mußte, entspricht der Impotenz eines Lüstlings, der erst dann erregt ist, wenn er die Lust des Tötens erlebt hat. Äußerlich ist dieses Wesen eine äußerst kultivierte Erscheinung. Zaroff raucht lange Papyrossi, spielt selbstkomponierte Walzer mit spätromantischer Melancholie, versteht charmant zu plaudern und bietet seinen Besuchern nur die exquisitesten Speisen und Getränke an. Sein rationaler Wahnsinn besteht darin, daß er die Philosophie des Jagens bis zum Ende praktiziert. Für ihn als begeisterten Sportsmann macht es keinen Unterschied, ob er Tiere oder Menschen jagt. Alle Unterscheidungen, die ihm der weltberühmte Jäger Rainsford entgegenhält, tut er als nebulöse So-phismen und humanistisches Geschwafel der Vergangenheit ab. Für ihn zählt nur das Höchstmaß an Genuß. Da der Mensch das einzige vernunftbegabte Tier ist, bringt die Jagd auf ihn das spannendste und lustvollste Pläsier.« (Franz Schöler, Film). »Die Filmgeschichte kennt keinen ähnlichen Fall. Was immer über sexuelle Verirrungen bekannt wurde - dieser Film deutet es bereits an. Im Wechselspiel von Sexus und Schaudern gelang es, die Tabus der Gesellschaft kurzerhand zu überspielen. Die Gigantomanie des Grauens, die Steigerung ins Überdimensionale erreicht hier ihrer höchste Stufe.« (Herbert Holba, Action).

»Aufschlußreich für die Kenner des Genres ist der sich in dieser Arbeit dokumentierende Stilwandel des Horrorfilms. Die Statik des epigonalen Spätexpessionismus erscheint durch atemberaubende Bewegungskaskaden aufgebrochen; realistische Kompositionen der Dokumentaristen Schoedsack/Cooper, durchaus noch experimentell damals, wirken retrospektivisch betrachtet genial, angemessen der Rationalität des Wahnsinns, deren Exekution wir beiwohnen. Im Erscheinungsjahr kommt Hitler an die Macht.« (Andreas Meyer, Medium).

Richard Connells Roman selbst wurde mehrfach verfilmt, wie etwa in dem 1946 von Robert Wise inszenierten Remake A Game of Death oder Roy Boultings Variante des Stoffes Der Sonne entgegen mit Trevor Howard und Richard Widmark. Die Qualität der Erstverfilmung 1932 aber wurde nie wieder erreicht.



Auszeichnungen

-


Bewertung
 
*
*
 


Literatur

Hahn, Ronald M./Jansen, Volker: Kultfilme (Heyne Filmbibliothek), München 1998

Hahn, Ronald M./Jansen, Volker: Lexikon des Horror-Films, Berg.-Gladbach 1985

Stresau, Norbert: Der Horror-Film (Heyne Filmbibliothek), München 1987

Stresau, Norbert/Wimmer, Heinrich(Hrsg.): Enzyklopädie des phantastischen Films, Meitingen 1986ff


Weblinks

IMDB